Aus aktuellem Anlass heute gleich der zweite Blogeintrag. Heidi Kabel ist gestorben und ich erinnere mich an eine Gastspielreise des Ohnsorg-Theaters nach Rostock, die ich 1990 als junge Reporterin des Hamburger Abendblattes begleitet habe. Heidi Kabel war damals schon 75 Jahre alt und ließ keinen Programmpunkt aus. Fasziniert davon, mit ihr und Stars wie Heidi Mahler und Jürgen Pooch am Ostseestrand spazieren zu gehen, achtete ich mehr auf meinen Stift und meinen Block als auf den Weg und meine Füße. Lasst euch sagen: Die Ostsee hat zu Ostern nur Badequalität für hartgesottene. Dank geliehener Kleidungsstücke (von Heidi Kabel den Schal) blieb mir eine Erkältung erspart.
Hier ein kleiner Rückblick:


…und was für ein trauriger Anlass, liebe Minou…
So langsam frägt frau sich, wo unsere Gesellschaft eigentlich
hinschlittert, wenn die letzten Rückgrate (…gibt’s das überhaupt als
Mehrzahl?) gehen. In Zeiten, in denen sich Bundespräsidenten vom Acker
machen, weil’s mal schwierig wird – in denen Bankenrettungsfonds und
Notkredite für ganze Länder notwendig sind, aber verantwortliche
Vorstände unbescholten Abfindungen einklagen – in denen die Regierung
vor lauter Koalitionsversprechungen die Reichen reicher, die Armen
ärmer und die Kranken erst mal in die Sommerpause schickt – in denen
Ölkatastrophen, die nicht nur die Umwelt, sondern unzählige Existenzen
bedrohen, per Webcam in 1.500m Tiefe bagatellisiert werden… Wo
bleiben da die Vorbilder und vor allem Vor”macher” für die nächsten
heranwachsenden Generationen?
Frauen wie Heidi Kabel waren von der ersten Stunde unserer (neu
gewonnenen) Demokratie dabei, haben mitgeholfen, aus Schutt, Asche und
traumatisierten Helden ein Wirtschaftswunder zu erschaffen, an Neues
zu glauben, die Ärmel hochzukrempeln und einfach mal “zu machen” –
und das alles innerhalb weniger Jahrzehnte. Frauen dieser Generation,
wie zum Beispiel auch meine Oma, sind Zeitzeugen einer richtig
schlechten Zeit (damals war keine Rede von “Krise”) – und einer
Gesellschaft, die es geschafft hat, ohne viel Jammern an den Höhepunkt
ihres wirtschaftlichen Erfolges zu kommen. …alle zusammen…
Heute machen sich alle vom Acker, wenn’s Ihnen passt und Beziehungen werden per SMS beendet. Die Zeitzeugen des Wunders von Deutschland (die bis zuletzt nie aufgegeben haben)
gehen verloren und was zeigen wir (=Gegenwart) der nächsten
Generation???
Als ich den Betreff deiner E-Mail während eines Telefonats las, und diesen vor lauter Schreck laut wieder gab, und ich gefragt wurde “wer ist Heidi Kabel?” fehlte mir erst Mal die Luft…
Das alles stimmt mich sehr traurig… ich hoffe, Morgen gibt’s bessere
Nachrichten
…oder wir machen einfach selber welche?! Zum Beispiel nach dem weltmeisterlichen Motto: “mit dem Herz in der Hand und der Leidenschaft im Bein, stimmen wir alle ein” ??
In diesem Sinne – CARPE DIEM
VLG Ivana
Kommentar von Ivana Rispoli — 15. Juni 2010 @ 3:46 pm |